The Siege – Ausnahmezustand

Ausnahmezustand
Originaltitel: The Siege – Erscheinungsjahr: 1998 – Regie: Edward Zwick

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Darsteller:
Denzel Washington, Bruce Willis, Annette Bening, Tony Shalhoub, Sami Bouajila, Ahmed Ben Larby, Mosleh Mohamed, Lianna Pai, Mark Valley, Jack Gwaltney, David Proval, Lance Reddick

Filmkritik: Nach der Entführung eines irakischen Scheichs durch die Amerikaner, wird die Stadt New York von mehreren Bombenattentaten islamischer Fanatiker erschüttert. Das FBI rund um den Agenten Hubbard (Denzel Washington) hat große Mühe, die Angelegenheit unter Kontrolle zu bringen und die Drahtzieher zu schnappen. Zudem muss er sich gleichzeitig auch noch mit der CIA (u.a. Annette Bening) auseinandersetzen. Als die Situation zu eskalieren droht, wird über New York bzw. im speziellen über dem Stadtteil Brooklyn, der Ausnahmezustand ausgerufen und das Militär übernimmt die Stadt. Das radikale Vorgehen und das Einsperren in große umzäunte Bereiche richtet sich gegen alle möglichen Ausländer des verdächtigten Kulturkreises. Nun hängt alles von Hubbard und seinen FBI-Jungs ab…

Neben dem zuletzt besprochenen „Executive Decision“ ist „The Siege“ ein weiterer Film, der ein paar Jahre später von der Realität eingeholt wurde. Edward Zwick portraitiert in seinem Terrorismus-Werk von 98 bereits erschreckend gut, wie man in einer Stadt die durch den Terror regiert wird überreagieren kann, aus Angst und Ungewissheit.

Für die Titelgebende Belagerung braucht der Film aber einiges an Laufzeit. Bis dahin gehen einige Bomben hoch und Denzel Washington muss mit seinem Team vom FBI viel Ermittlungsarbeit leisten. Dieser wird immer spannend präsentiert und ist mit zahlreichen bekannten Gesichtern gespickt, die man damals weniger gut kannte als heute, denn einige haben Karrieren in mehr oder weniger erfolgreichen Serien gestartet.

„The Siege“ schafft es, den Zuschauer in eine ähnliche Situation zu versetzten, in der die Beteiligten gerade sind. Man hat Schwierigkeiten zu erahnen was als nächstes passiert, rechnet ständig mit dem schlimmsten, bekommt dies aber nur sehr selten zu Gesicht. Gegen Ende wird dann leider eine Schippe zu dick aufgetragen und der bis dahin recht neutrale Film verrinnt sich etwas in Folter und ähnliches Klischees. Dies verhagelt die bis dahin enorm gute Ausarbeitung des Themas etwas, schadet aber zu diesem Zeitpunkt nicht allzu sehr.

Etwas störend wirkt der Charakter von Annette Bening, die ziemlich mysteriös daher kommt, direkt mehrere Identitäten haben und man bei ihr nie weiß, für wen sie nun arbeitet. Das wirkt alles dann doch mehr wie James Bond als wie ein US-Geheimdienst. Zudem spielt sie recht schwach, was man von ihr gar nicht gewöhnt ist. Überraschungsgast Bruce Willis als fieser Army-Kommandant der New York dann komplett besetzen lässt und sich die Lorbeeren vom FBI klaut, weiß hingegen sehr zu gefallen. Leider hat er viel zu wenig Screentime.

Insgesamt wäre „The Siege“ nach 9/11 bestimmt anders ausgefallen. Interessant ist, dass der Film damals ein Flop im Kino war, nach dem 11.09.2001 aber der größte Hit in den Videotheken. Der Film schafft es sehr gut, die Gefahr durch den Terrorismus darzustellen, das Militär und dessen Methoden zu hinterfragen und dabei auch klar zu stellen, das nicht jeder Typ mit dunkler Haut und Bart einen Sprengsatz in der Unterhose hat. Rundum empfehlenswert.

Filmbewertung: 8/10